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10.07.2023

Sulgen Berufsbildungscampus

BERUFSBILDUNGSCAMPUS
2023
Sulgen

Wettbewerb im offenen Verfahren (2.Rang)
Auftraggeber: Stiftung Berufsbildungscampus Ostschweiz
Landschaftsarchitekt: Land Schafft GmbH
Ingenieur: holzprojekt AG
Bilder: OBRA visual AG

Ortsbauliches Konzept
Das Planungsgebiet liegt in einer heterogen Siedlungsstruktur am südlichen Siedlungsrand von Sulgen. Vier kleinteilige Gebäudekörper mit unterschiedlichen Grundflächen und Höhen werden versetzt zueinander positioniert. 
Ein eingeschossiger Gebäudekörper verbindet die vier Volumen miteinander. Durch diese Volumenanordnung fügt sich der geplante Berufsbildungscampus harmonisch in die naheliegende kleinmassstäbliche Umgebung ein. Es entstehen zudem spannende, klar zonierte Aussenbereiche. 
Durch das ökonomische ortsbauliche Konzept können die künftigen Erweiterungen in zwei separaten Gebäuden mit der gleichen volumetrischen Haltung erfolgen.

Architektonisches Konzept
Die vier dreigeschossigen rechteckigen Gebäudekörper werden architektonisch gleich ausformuliert. Die Raumgruppen sind je in einem separaten Gebäude bzw. Gebäudeteil zusammengefasst. 
In der Mitte der Gebäudekörper befinden sich jeweils die Erschliessungskerne mit den Nebenräumen. Im Erdgeschoss werden sie auf der einen Seite mit dem Verbindungsbau und den Aussenbereichen verbunden. Auf der anderen Seite werden sie mit den Aussenwerkplätzen bzw. Anlieferungen verbunden. Rechts und links der Erschliessungskerne werden die Haupträume angeordnet. Sie werden wie die Erschliessungszonen auch optimal zweiseitig natürlich belichtet. 

Die Längsseiten der vier Gebäude werden mit einem feinen additiven Raster offen gestaltet und strukturiert. Die Kurzseiten werden monolithisch und geschlossen ausgebildet. Durch die unterschiedliche Ausformulierung der Gebäudeseiten entsteht ein spannendes Wechselspiel.

Der eingeschossige Zwischenbau verbindet die vier Gebäudekörper miteinander. Die Fassaden werden komplett offengehalten und die Sicht in die Aussenräume wie auch in die naheliegende Umgebung werden durch die vier Gebäudekörper gestärkt. 
Der Zwischenbau fungiert als Begegnungs- und Verteilzone der gesamten Anlage.
Durch diese Anordnungen entstehen robuste, räumliche Konzepte für flexible Nutzungsanpassungen. Der ganze Campus ist auf einem Raster aufgebaut und kann so flexibel eingeteilt, möbliert und ausgestaltet werden. 

Mit diesem architektonischen Konzept werden die unterschiedlichen Branchen miteinander vernetzt und Synergien können genutzt werden.

Umgebungskonzept
Der Personenfluss wird über das bestehende Trottoir der Auholzstrasse geführt. Die beiden versetzten Volumen mit unterschiedlicher Höhe definieren klar die Adresse des Berufsbildungszentrums. Der Eingangsbereich wird mit alternierend behandelten Betonplatten vorgesehen und mittels Pflanz- und Sitzinseln aufgelockert. Der Bodenbelag zieht sich durch den Verbindungsbau und den klar gefassten Aussenbereichen. Diese werden unterschiedlich thematisiert; als Aussenschulungsraum, als Pausenhof oder als Mensa-Aussensitzplatz.

Der Personenwagenfluss erfolgt über die Auwiesenstrasse. 20 Besucherparkplätze werden mit Sträuchern und Ahornbäumen zur Strasse begrenzt. Über einen kurzen Fussweg erreicht man den Haupteingang.
Die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt nahe zur Auwiesenstrasse im westlichen Bereich der Parzelle. Die Ausfahrt erfolgt unmittelbar bei der Auholzstrasse im östlichen Bereich der Parzelle. Mit dieser Anordnung wird ein möglichst autofreier Campus generiert.

Die Werkstätten wie auch die technischen Schulungsräume haben im Erdgeschoss grosszügige Aussenwerkplätze vorgelagert. Jeweils mittig wird eine asphaltierte Anlieferung für die LKW’s angeordnet. Die Aussenwerkplätze werden mit Kiesrasen vorgesehen und sind somit befahrbar. Zusätzlich werden sie mit einer Rasenfläche, einer Versickerungsmulde und einer Blumenwiese umschlossen. In den Blumenwiesen werden Laubbäume und Sträucher gepflanzt welche Schatten spenden. Fussläufig sind alle Aussenwerkstätten und Aussenbereiche miteinander verbunden.

Zwischen den vier Gebäuden wird im 1. Obergeschoss ein grosszügiger Dachgarten mit intensiver Begrünung und einem geschwungenen Wegnetz mit Sitzmöglichkeiten vorgesehen. Einheimische Stauden und Gräser werden mit Blumenbeeten begrenzt. Der Dachgarten kann mit hoher Gestaltungsvielfalt von den Floristen als Experimentierfläche genutzt werden.

Konstruktion
Für die vorgeschlagenen Bauwerke wird hoher Wert auf eine robuste und nachhaltige Konstruktionsweise gelegt. Das Konstruktionskonzept beschreibt die Verwendung dreier Baustoffe: Beton, Holz und Lehm.

Die Tragstrukturen der dreigeschossigen Gebäude sind im Innern sichtbar und tragen zur Gliederung der Räume bei. Die Holzbinder bestehen aus Brettschichtholzträgern, welche 24cm breit und max. 14.5m lang sind. Sie werden über die Kurzseite gespannt. Der regelmässige und direkte Lastabtrag macht die Konstruktionsweise wirtschaftlich. Die Holzkonstruktion ist auf wenige statisch beanspruchte Bauteile reduziert und aus einer Vielzahl gleichartiger Elemente aufgebaut. 

Die Fassaden sind mit Sockelteil, Wandteil und Dachteil dreiteilig strukturiert. Die Betonsockel bilden eine robuste und dauerhafte Ummantelung der Gebäude und schützen die Fassaden vor Witterung. Die Längsfassaden haben eine additive feinteilige Fassadenstruktur aus Lärchenholz. Die Kurzseiten werden in einer Holz- /Lehmbauweise aus vorgefertigten Stampflehm-Elementen mit einer innenliegenden Dämmung aus Schamglas-Schotter vorgesehen.
Die feingliedrigen vertikalen Lärchenstrukturen erzeugen mit den monolithischen Stampflehmwänden eine sinnliche und haptische Ausstrahlung und gliedern sich in die natürliche Umgebung ein. Die Tragstruktur ist von aussen spürbar. Der hohe Vorfabrikationsgrad der Holz- /Stampflehmelemente ermöglichen eine effiziente Bauweise und kurze Bauzeit. Für zukünftige Nutzungsverschiebungen besteht die Möglichkeit, die Innenwände unabhängig von der Tragkonstruktion flexibel zu verändern.

Die Tragstruktur des eingeschossigen Zwischenbaus wird mit einer richtungslosen Holzkassettendecke zwischen die vier Baukörper gespannt. Somit wird die Eingangshalle stützenfrei und die Besucher geniessen den freien Blick in die Aussenräume und in die nahe Umgebung.

Die rohen Materialien werden sichtbar und effizient eingesetzt und unterstreichen die Selbstverständlichkeit des Berufsbildungscampus. Die Symbiose von Holz und Lehm stellt eine ideale Kombination für die Zukunft dar. Verträgliche, angenehme Materialien wie Holzwerkstoffe und Stampflehm verleihen den Gebäuden hohe Aufenthaltsqualitäten.

Gebäudetechnik & Nachhaltigkeit
Für die vorgeschlagenen Bauwerke wird hoher Wert auf eine effiziente Bauteiltrennung gelegt. Leitungen für Elektrizität und Lüftung werden offen geführt und sind so problemlos zugänglich. Dank den verjüngten Bindern können die Leitungsführungen sinnvoll unter den Tragwerken geführt werden.

Die grosszügigen Steigschächte sind jeweils in den mittig angeordneten Erschliessungskernen untergebracht. Somit werden kurze Leitungsführungen gewährleistet. 

Die eingelegten Leitungen in den vorgefertigten Betonbodenelementen werden zur Kühlung und zur Beheizung aktiviert (Bauteilaktivierung). Die massiven temperierenden Stampflehmwände wie auch die vorgefertigten Betonelemente bieten zudem ausreichend Speichermasse.

Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Grundwasserwärmepumpe. Die gesamten Dachflächen werden mit Photovoltaikpaneelen belegt (439 kW).

Die geführten Senkrechtmarkisen erlauben eine stufenlose Verdunklung in allen Feldern. Öffenbare Lüftungsflügel ermöglichen eine einfache Belüftung sowie die Nachtauskühlung. Zusätzlich können die Räume über Monoblock Lüftungsanlagen versorgt werden.

Die Baukörper sind klar strukturiert und wirtschaftlich organisiert. Die kompakten Gebäudevolumetrien, die effizienten Grundrissorganisationen, die durchgehenden statischen Systeme und die Low-Tech Haustechnik ermöglichen eine kostengünstige Bauweise und Bewirtschaftung.