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09.09.2022

Luzerner Theater

THEATER
2022
Luzern

Wettbewerb im offenen Verfahren (3. Rundgang)
Auftraggeber: Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater
Bilder: OBRA visual AG

Städtebauliche Setzung
Ein langgezogenes achteckiges Gebäude schliesst die Gebäudefront entlang der Reuss und bildet ein Gegenüber zur ebenfalls geschlossenen Front der Altstadt. Die dreiteiligen Fassaden gliedern den Bau und geben ihm einen klassizistischen Charakterzug. 
Mit den geschwungenen Formen zur Bahnhofstrasse und zur Jesuitenkirche werden angenehme Aussenräume geschaffen. Die Ostfassade der Jesuitenkirche wird mit dem neuen Volumen freigespielt und erhält genügend Freiraum. 
Zur Theaterstrasse wird durch die Gebäudeform ein Freiraum zu den umliegenden Gebäuden generiert, welcher unter anderem als Anlieferung für das Theater dient.

Die Adressierung wird mit einem Gebäudeeinschnitt im Erdgeschoss und der Ausrichtung auf die Bahnhofstrasse und Reuss deutlich ausgebildet. Die Rundungen richten sich bewusst auf städtebauliche Besonderheiten aus. 

Das Gebäude steht parallel und symmetrisch zur Reuss und übernimmt die Gebäudehöhen der umliegenden Bauten. Die Promenade der Bahnhofstrasse bildet einen öffentlichen Raum im direkten Umfeld des Theaters. 

Die Dachform des Entwurfs wird schlicht gehalten, ein simples Flachdach ordnet sich zurückhaltend in die Umgebung ein. Sämtliche Dachaufbauten wurden auf den Bühnenturm reduziert, welcher als klares Volumen, zurückversetzt von der Hauptfassade, symmetrisch auf dem Dach positioniert wird. Mit dieser Anordnung und Distanz werden die Türme der Jesuitenkirche weder bedrängt noch konkurrenziert. Der Lichteinfall in der Kirche wird nicht beeinträchtigt.

Das neue Luzerner Theater entfaltet sich als Solitär und antwortet mit seiner Situierung präzise auf den Ort. Durch den Entwurf lässt sich die städtebauliche Frage klären. 
Man kann eine klare Adressierung erkennen, welche den Raum als Knotenpunkt und Aufenthaltsort herausstellt. Dem gewünschten Dialog zwischen Künstler und Besucher wird ein flexibler Raum gegeben.

Freiraumkonzept
Durch die präzise Volumensetzung werden die Aussenräume klar definiert. Die neu gestaltete Bahnhofstrasse kann mit ihrer Doppelbaumreihe bis zur Jesuitenkirche erfolgen und so zur attraktiven Kulturmeile, zwischen den Leuchttürmen KKL und der Jesuitenkirche, ausgestaltet werden. 

Der grosszügige, gedeckte Haupteingang ist ein Teil der Bahnhofstrasse und bildet einen klaren Freiraum und eine Adresse mit Bezug zur Reuss und zur Altstadt. Dadurch wirkt der Eingangsbereich als Begegnungszone und Auftakt für den Besucher. Unter den Kastanienbäumen wird ein Satellit des Theatercafés zur Bedienung von Aussenplätzen installiert. Der öffentliche Charakter des Entwurfs wird so direkt ersichtlich.

Durch die geschwungene Gebäudeform entstehen auf der Westseite für das Restaurant spannende Aussenräume zur Jesuitenkirche und zur Reuss. Das Personalrestaurant aktiviert mit der Aussenbestuhlung den Hirschengraben. Eine Insel mit Laubbäumen spendet zudem Schatten im Freien. Die Bauminsel mit Mergelbelag wertet das Gebiet bezüglich Ökologie nachhaltig auf und stellt einen Bezug zum Mergelbelag der geplanten Kastanienallee her. 

Die geschwungene Fassade des Entwurfs lässt es zu, dass neue Plätze entstehen, welche sich zum Aneignen anbieten. So ist es dem neuen Luzerner Theater möglich, eine direkte Verbindung zum Aussenraum zu schaffen und aktiv mit der Umgebung in Kontakt zu treten. Die Bühne der darstellenden Künste wird nicht durch das Volumen des Neubaus begrenzt.

Auf der Südostseite ist die Anlieferung vorgesehen. Die Anlieferung erfolgt für die Fahrzeuge mittels Falttüren im Innern des Gebäudes. Mit diesem Konzept wird eine unauffällige Anlieferungssituation generiert.

Die Freiräume funktionieren als Ort der Interaktion und des Austauschs für die ganze Bevölkerung. Sie haben hohe Aufenthaltsqualität und sind flexibel nutzbar. Im Vergleich zum bestehenden Theaterplatz erfährt die neue Umgebung klare Zonierungen und erschafft einen definierten Aussenraum.

Nutzung & Architektonisches Konzept
Erdgeschoss - Direkt von der Bahnhofstrasse gelangt man über den grosszügigen, gedeckten Bereich in das zweigeschossige Foyer, welches als zentrale Verteilzone fungiert. Die Räume im Erdgeschoss sind flexibel und transparent ausformuliert, so dass visuelle und funktionale Verbindungen vom Erdgeschoss zum öffentlichen Stadtraum entstehen. Der öffentliche Raum wird bespielt und belebt. Vier grosszügige Treppenanlagen erschliessen das Gebäude. Kompakt und symmetrisch sind die Nebenräume im Zentrum angeordnet.

Auf der Westseite befindet sich zentral zwischen Theatercafé und Aufenthaltsbereich das Restaurant. Diese Räume orientieren sich zur Promenade, zur Jesuitenkirche und zum Hirschengraben. Raumkonstellationen können mittels Schiebetüren flexibel an diverse Nutzungen und Veranstaltungen angepasst werden.

Auf der Ostseite wird das Studio mittig zwischen Foyer und Anlieferung angeordnet. Auch hier bleiben die Raumkonstellationen durch die vorhandenen Schiebetüren frei an unterschiedliche Gegebenheiten, anpassbar. Ein Warenlift wird unmittelbar an die Anlieferung angeordnet und erschliesst alle Geschosse.

1. Obergeschoss – Die Orchesterräume und die Personalräume werden im Zentrum des Gebäudes angeordnet. Über zweigeschossige Räume entstehen hier interessante Sichtbeziehun-gen zum Erdgeschoss. Auch von aussen kann man das Geschehen der Musiker beobachten.

2. Obergeschoss – Zentral wird hier der grosse Saal positioniert. Eine umlaufende Zirkulationsschicht verbindet die dreigeschossigen Foyers miteinander. Diese richten sich präzise auf die Luzerner Sehenswürdigkeiten und die Freiräume aus. Auf der Westseite wird der mittlere Saal, mit Hilfe von Schiebetüren von den Foyers getrennt, untergebracht. Auf der Ostseite befindet sich mittig das Tageslager, ebenfalls durch Schiebetüren abgetrennt. So ist es auch hier jederzeit möglich, die Räumlichkeiten flexibel anzupassen. Sie lassen sich einfach vergrössern und die Aufführungsräume lassen sich unabhängig voneinander gleichzeitig bespielen.

3 & 4. Obergeschoss – Die umlaufenden Zirkulationsschichten erschliessen die Balkone vom grossen Saal, die Fachbereiche der Veranstaltungsbetriebe und die Personalgarderoben. Interessante Sichtverbindungen entstehen zu den Foyers und in die nahe Umgebung.

5. Obergeschoss – Die Erschliessung der gedeckten Aussenterrassen, der Fachbereiche der Veranstaltungsbetriebe, der Studier-, Proberäume und der Personalgarderoben, ist auch hier über den umlaufenden Freiraum gegeben. Jederzeit entstehen im Inneren des Gebäudes und zum umliegenden öffentlichen Raum Sichtbeziehungen.

6. Obergeschoss – Der Bühnenturm wird zurückversetzt von der Hauptfassade angeordnet.

Untergeschoss - Im Untergeschoss sind die Neben- und Technikräume untergebracht.

Konstruktion & Materialisierung
Der kompakte und einfach strukturierte Baukörper wird mit einem ausgewogenen Volumen- und Oberflächenverhältnis konzipiert. Die skelettartige Konstruktion wird mit den minimal, für die Aussteifung des Gebäudes notwendigen Betonwänden und schlanken Betonrippendecken ausgeführt, dies generiert Speichermasse und verbessert den sommerlichen Wärmeschutz. 

Grössere Spannweiten wie im mittleren und grossen Saal werden mittels Stahlfachwerkträgern überwunden, an welche die notwendige Technik flexibel befestigt werden kann. 

Die durchgehenden statischen Systeme und Steigzonen erlauben eine effiziente und wirtschaftliche Bauweise.

Das Erdgeschoss wird als komplett verglaster Sockel mit einem umlaufenden Überzug respektiv einer Auskragung ausformuliert. Auf dem Sockel werden alternierend offene und geschlossene Fassadenabschnitte vorgesehen. Die offenen Abschnitte werden verglast und auf den Dachterrassen komplett offen gehalten. Die geschlossenen Abschnitte werden mit Jurakalkstein-elementen verkleidet. Diese weisen eine geringe Wärmeabsorption auf.

Das gewählte Konstruktions- und Materialkonzept ermöglicht eine adäquate Fassadengestaltung mit einem geringen Unterhaltsbedarf. Die rohen Materialien werden sichtbar und effizient eingesetzt. Die feingliedrige, zum Teil perforierte, additive Fassadenstruktur erzeugt eine haptische Ausstrahlung.

Senkrechtmarkisen (Zip-System) bringen eine sinnvolle aussenliegende Beschattung der Fassaden und garantieren zu jeder Jahreszeit ein behagliches Raumklima. Das Dach wird extensiv begrünt und mit flachen PV-Anlagen ausgestattet.

Die Materialisierung im Innern wird geprägt durch Sichtbeton (Recyclingbeton) und Schiebetüren, Theken, Handläufe, Lift usw. aus Baubronze. Die Böden bestehen aus einem hellen Terrazzobelag. 

Für zukünftige Nutzungsverschiebungen besteht die Möglichkeit, die Leichtbauwände unabhängig von der Tragstruktur flexibel zu verändern.