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01.01.2020

Steckborn Schulhaus Glarisegg

SCHULHAUS GLARISEGG
2020
Steckborn

Wettbewerb (3. Rundgang)
Auftraggeber: Schulstiftung Glarisegg
Partner: holzprojekt AG
Landschaft: Land schafft GmbH
Bilder: Nightnurse

Ortsbauliches Konzept
Das Projekt „Peter Pan“ verstärkt die bestehende Qualität der Schulanlange. Der viergeschossige Fachwerkbau behauptet seine Position als Hauptbau des Areals. Die neuen Gebäudekörper unterscheiden sich vom Hauptbau in Form und Höhe. Zusammen bilden sie ein Ensemble und verstärken die Hofsituation und den Vorraum zwischen dem Wohngebäude und dem Hauptbau.

Das neue zweigeschossige Schulhaus wird wieder direkt an das Ufer positioniert und bildet den Abschluss zum See hin. Das neue zweigeschossige Mehrzweckgebäude bildet auf der Südseite den Abschluss der Hofanlage. Die geschickte versetzte Anordnung der beiden ähnlichen Gebäude spielt den Hauptbau frei. Beide Baukörper nehmen die Dachform des Hauptbaus auf. Die Stirnseiten dieser schmalen Gebäude bilden mit den Einschnitten im Erdgeschoss die Eingänge vom Vorraum in die Hofsituation.

Das neue Unterhaltsgebäude wird nahtlos an das bestehende Ökonomiegebäude angebaut. Dieses längliche Volumen schliesst die Hofsituation gegen Westen ab und bildet mit dem Mehrzweckgebäude einen Vorplatz zur Anlage. 

Mit diesem ortsbaulichen Konzept entsteht ein Spannungsfeld zwischen der geschlossenen Hofanlage und dem See.

Aussenraumkonzept
Der bestehende Baumrahmen, welcher heute das Areal umrundet, ist ein markantes und raumbildendes Element. Durch gezielte Neupflanzungen wird dieser ergänzt und damit gestärkt. Dem Baumrahmen folgend verläuft der neue Spazierweg. Er verbindet unterschiedliche Nutzungen, wie zum Beispiel Rückzugsinseln, die Grillstelle oder die Pumptrackanlage. Die Grünflächen, die den Kern der Anlage umschliessen, setzen sich aus Rasen- und Wiesenflächen zusammen. Die heutigen Strukturen, wie das Alpakagehege und der Schulgarten im Westen, die Seezugänge im nördlichen Bereich des Areals, sowie der Parkplatz im Osten, bleiben erhalten. Das Herz der Anlage bilden die zueinander orientierten Gebäude. Sie lassen einen Innenhof mit guter Übersicht entstehen, welcher eine intensivere Nutzung als in den Aussenbereichen aufweist. 

Der grosse Hartbelagsplatz spannt sich zwischen dem Ökonomie-, Werks- und dem Mehrzweckgebäude auf und behält seine Grosszügigkeit. Durch die offene Gestaltung ist es möglich, ihn sehr flexibel und vielseitig zu nutzen. Ihm schliessen sich verschiedene Inseln an, welche den Hartbelag aufbrechen und ein Wegsystem entstehen lassen.

Das Wegsystem leitet intuitiv durch die Anlage hindurch und ist barrierefrei gestaltet. Die jeweiligen Inseln haben unterschiedlichen Funktionen, was sich in ihrer Materialität äussert. Zwischen dem Wohnhaus und dem Hauptgebäude entsteht eine Ankunftszone, welche Sitzmöglichkeiten und Raum zur Orientierung und Begegnung bietet. Zwischen dem neuen Schulhaus, dem Hauptgebäude und der Mehrzweckhalle sind Kies- und Raseninseln angeordnet. Sie bieten unterschiedliche Aufenthalts- und Freizeit- sowie Spielangebote.

Nutzung
Um den Hauptbau sind die primären Nutzungen wie das bestehende Wohnheim, das Schulhaus und die Mehrzweckhalle positioniert. Gegenüber sind die sekundären Nutzungen wie das Werkgebäude und das Ökonomie- und Unterhaltsgebäude angeordnet. Alle Nutzungen werden mittels Raumschichten organisiert. Die Raumschichten sind auf einem Raster aufgebaut und können so flexibel eingeteilt, möbliert und ausgestaltet werden. Das Schulhaus sowie das Mehrzweckgebäude werden mit einer zentralen Treppenanlage erschlossen. Die klare räumliche Anordnung bietet kurze Wege und eine gute Übersicht in den Gebäuden für die Schüler und die Lehrpersonen. Die räumlichen Höhenabfolgen, die unterschiedlichen Öffnungsverhalten, die gegliederte Tragwerkskonstruktion und die kontrastierenden Materialien schaffen räumliche Polaritäten.

Schulhaus:
Im Erdgeschoss sind die gedeckte Pausenhalle, die allgemeinen Nutzungen sowie die Basisstufe untergebracht. Im Obergeschoss sind die Mittel- und Oberstufen angeordnet. Im  mittig angeordneten Untergeschoss befinden sich die Nebenräume. Die verschiedenen Schulstufen werden in einzelne Einheiten bzw. Cluster unterteilt. Von jedem Cluster hat man den Bezug auf den See wie auch auf den Innenhof. Aus den grosszügigen Garderobeneinheiten erschliessen sich die Einzeltherapieräume sowie die unterteilbaren Klassenzimmer. Die Schulzimmer und die Einzeltherapieräume können mittels Schiebeelemente individuell unterteilt werden. 

Mehrzweckhalle:
Im Erdgeschoss sind ein gedeckter Aussenbereich, das Foyer mit Office und die Turnhalle angeordnet. Die jeweiligen Nebenräume befinden sich ebenfalls im Erdgeschoss. Im Obergeschoss sind die Garderoben, WC-Anlagen und das Einzeltherapiezimmer. Alle Räume werden natürlich belichtet.

Unterhaltsgebäude:
Das bestehende Ökonomiegebäude wird nahtlos erweitert. Direkte Zugänge zu den Unterhaltsräumen erfolgen vom Hartplatz her. Eine interne Verbindung von Raum zu Raum ist vorgesehen.

Materialisierung & Konstruktion
Die Stirnfassaden der neuen Gebäude werden in sandgestrahlten Sichtbeton vorgesehen. Dazwischen werden Holzskelettbauten auf einen Sichtbetonsockel gestellt. Der Beton bildet eine robuste und dauerhafte Ummantelung der Gebäude und schützt die hölzerne Tragstruktur und Fassade vor der Witterung. Zusätzlich wird beim Schulhaus mit dem Betonsockel die geforderte Hochwasserschutzkote eingehalten. 

Die Holzskelettbauten werden im Innern sichtbar und tragen zur Gliederung der Räume bei. Mit der Holzbauweise und den sich wiederholenden Elementen kann eine kurze Bauzeit erreicht werden. Für zukünftige Nutzungsverschiebungen besteht die Möglichkeit, die Innenwände in den Raumschichten unabhängig von der Tragkonstruktion flexibel zu verändern.

Die Längsfassaden sind mit Sockelteil, Wandteil und Dachteil dreiteilig strukturiert. Die additive Fassadenstruktur ergibt einen einheitlichen Auftritt mit einem einprägsamen Gesicht. Die rohen Materialien werden sichtbar und effizient eingesetzt und unterstreichen die Selbstverständlichkeit der Bauten. Die feingliedrige vertikale Fassadenstruktur erzeugt eine sinnliche und haptische Ausstrahlung und gliedert sich in die natürliche Umgebung ein. Die Längsfassaden sind aus einheimischem Fichtenholz konstruiert. 

Die Dachflächen werden mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Senkrechtmarkisen (Zip-System) ermöglichen eine sinnvolle aussenliegende Beschattung der Fassaden und garantieren zu jeder Jahreszeit ein behagliches Raumklima.