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01.08.2022

Ballwil Gemeindehaus

GEMEINDEHAUS
2022
Ballwil

Wettbewerb im offenen Verfahren (3. Rang)
Auftraggeber: Einwohnergemeinde Ballwil
Landschaftsarchitekt: Landformen AG
Bilder: OBRA visual AG

 

Städtebauliches und architektonisches Konzept
Das Gebiet um den Wettbewerbsperimeter zeichnet sich durch eine heterogene Siedlungsstruktur aus. Die Parzelle wird durch die Abtwilstrasse und die Ambar-Strasse gefasst.

Eine wesentliche Projektidee ist der respektvolle Umgang mit dem spätklassizistischen Schulhausbau, welches volumetrisch freigespielt wird. Der prägende Charakter und die Eigenständigkeit dieses erhaltenswerten Gebäudes werden dadurch gestärkt. Der ursprüngliche Schulhausbau wird zurückgebaut und bleibt als Zeitzeuge erhalten. Das Gebäude wird zur Gemeindeverwaltung umgebaut und erhält mit dem zentralen Eingang vom neuen Dorfplatz her die ehemalige markante Adresse zurück.

Ein rückwärtiger viergeschossiger Neubau wird mit einem respektvollen Abstand zum Bestand positioniert. Durch die Distanz profitieren beide Gebäude von einer guten Belichtung. Ein eingeschossiger Zwischenbau wird bündig mit den beiden Gebäuden verbunden. Es entsteht ein Ensemble mit einer spannenden Volumenabfolge.
Die übrigen Nutzungen werden zur Ambar-Strasse im Neubauvolumen mit einem rückspringenden Eingang vorgesehen.

Das Ensemble ordnet sich bezüglich Massstäblichkeit und Volumetrie überzeugend in den städtebaulichen Kontex ein und bildet somit den Auftakt des öffentlichen Gemeinde- und Schulareals.

 

Freiraumkonzept
Durch die präzise Volumensetzung des Neubaus entstehen spannende und klar definierte Aussenräume.

Der neue Dorfplatz wird von der Abtwilstrasse bis zum historischen Gebäude klar zoniert. Eine Dorflinde und drei Fahnen schmücken zusätzlich den gepflästerten Platz. Es entsteht ein attraktiver und öffentlicher Dorfplatz, welcher für verschiedenste Veranstaltungen und Events flexibel genutzt werden kann. 

Vom Dorfplatz gelangt man auf der Westseite über einen Weg zum Vorplatz des Neubaus. Der Weg wird mittels alternierenden Grün- und Parkplatzbereichen von der Ambar-Strasse getrennt. Es werden 6 Besucherparkplätze und 18 Veloabstellplätze vorgesehen. Die Grünbereiche werden mit einheimischen Pflanzen oder Blumen und mit je einem Feldahorn bepflanzt.

Die Zufahrt für die Zivilschutzanlage sowie die Ein- und Ausfahrt in die Einstellhalle werden im Gebäudekörper im Nordwesten integriert. Der Vorplatzbereich wird auf der Nordseite mit Wildstauden abgeschlossen. 

Vom Dorfplatz gelangt man auf der Ostseite über den bestehenden Weg zum Mehrzweckgebäude. Die Topografie auf der Ostseite wird mit Verzicht auf Umgebungsmauern natürlich gestaltet und hüllt das Neubauvolumen ein. Auf der Ostseite wird im 1.Obergeschoss ebenfalls ein rückspringender Eingang angeordnet, damit die Kinder der Kita und der Tagesschule die Aussenspielflächen in direkter Nähe nutzen können.

Nutzungskonzept
Bestand - Im Bestand wird die Gemeindeverwaltung untergebracht. Über die neue mittige Aussentreppe oder die Rampe gelangt man in den grosszügigen Vorraum. Im Gebäude wird ein zentraler Erschliessungskern angeordnet, welcher das Gebäude klar zoniert. Im Erdgeschoss sind Kanzlei/Schalter und Steuern/Finanzen wie auch die Nasszellen und der Maschinenraum angeordnet. Diese Nutzungen reichen im Erdgeschoss bis ins Neubauvolumen. Die Räumlichkeiten werden ideal miteinander verbunden, damit eine gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bereichen gewährleistet ist.

In den oberen Geschossen vom Bestand werden die Sitzungsräume, der multifunktionale Pausenraum und der Raum des Gemeinderats untergebracht. Diese Räume profitieren von einer guten Belichtung und von spannenden Raum- und Sichtbezügen. Der Normalbetrieb der Verwaltung wird durch die Anordnung in den beiden Obergeschossen nicht beeinträchtigt.

Neubau - Über einen rückspringenden Eingang im Erdgeschoss wird das Neubauvolumen von der Ambar-Strasse über den Vorplatz erschlossen. Eine grosszügige Erschliessung über die gesamte Breite des Gebäudes zoniert das Gebäude. Von den Erschliessungsflächen hat man eine gute Übersicht auf beide Seiten des Gebäudes in die nahe Umgebung.

Alle Nutzungen im Neubau sind auf einem Raster aufgebaut und können so flexibel eingeteilt, möbliert und ausgestattet werden. Die Struktur orientiert sich nach dem Wunsch einer flexiblen räumlichen Einteilung. Durch die freigespielte Gebäudeanordnung können die gewünschten lichten Raumhöhen problemlos gewährleistet werden.

Im Erdgeschoss kann der multifunktionale Raum direkt vom gedeckten Eingangsbereich und vom Treppenhaus erschlossen werden. Einen direkten Zugang gibt es ebenfalls von der Gemeindeverwaltung. Der multifunktionale Raum ist ebenerdig angeordnet und profitiert von einer zweiseitigen Belichtung. Der Raum enthält einen Vorraum mit einem behindertengerechten WC, einer Schrankfront mit Kaffeeküche und ein Stuhl- und Tischlager. Durch die ebenerdige Lage mit direktem Eingang von aussen und der Ausstattung kann der multifunktionale Raum autonom genutzt werden.
Der Stauraum für die Kita wird bewusst ebenerdig in der Verlängerung der Erschliessung angeordnet. Somit sind für die Eltern kurze Wege und eine gute Übersicht gewährleistet.
Am Ende des Gebäudes sind die Zufahrt für die Zivilschutzanlage und die Ein- /Ausfahrt in die Einstellhalle subtil im Gebäudekörper integriert. 

Im 1.Obergeschoss wird bei der durchgehenden Erschliessung auf der Ostseite auch ein rückspringender Eingang vorgesehen. Von diesem gedeckten Bereich wird zudem der Stauraum für die Tagesstruktur erschlossen.
Auf der nördlichen Seite wird die 2.5 Zimmerwohnung angeordnet. Diese Wohnung profitiert von einer dreiseitigen Belichtung. 
Auf der südlichen Seite wird die Kita angeordnet welche ebenfalls dreiseitig belichtet wird. 

Optional kann die 2.5 Zimmerwohnung einfach zur Kita geschaltet oder anstelle der Kita eine Büro- oder Dienstleistung vorgesehen werden.

Im 2. Obergeschoss wird auf der nördlichen Seite eine 3.5 Zimmerwohnung mit dreiseitiger Belichtung angeordnet. Auf der anderen Seite des Treppenhauses wird die Tagesschule untergebracht.

Im 3. Obergeschoss wird auf der nördlichen Seite eine 3.5 Zimmerwohnung mit dreiseitiger Belichtung angeordnet. Auf der anderen Seite des Treppenhauses wird die Büronutzung untergebracht.

Optional können anstelle der Büronutzung problemlos zwei 3.5 Zimmerwohnungen auf dieser Fläche umgesetzt werden. Diese Wohnungen haben eine optimale Aussicht und Besonnung.

Im Untergeschoss werden insgesamt 13 Einstellhallenplätze, Veloabstellplätze, Keller, Archiv, Trocknungs- und Technikräume untergebracht.

Konstruktions- | Materialkonzept
Bestand - Das spätklassizistische Gebäude wird aussen wieder zurückgebaut und mit Jalousieläden versehen. So erhält dieses seinen ursprünglichen Charakter zurück.

Die heutigen Innenräume sind nicht erhaltenswert. Es ist weder eine hochwertige Struktur noch eine qualitative Erschliessung zu erkennen. Um die heutigen Anforderungen zu erfüllen, wird die innere Struktur neu erstellt. Folgende Vorteile sind dafür ausschlaggebend:
- Erdbebensicherheit wird gewährleiste
- Schallschutz wird optimal gewährleistet
- kontrollierte Lüftung -> Minergie
- weniger Deckenstärken -> keine Absturzsicherungen bei den Fenstern notwendig
- Gebäude mit vertikaler Erschliessung 

Neubau - Der Neubau wird in Massivbauweise mit vorgefertigten Betonelementen vorgesehen. Die ganze Gebäudestruktur basiert auf einem einheitlichen Raster. Zukünftige Nutzungsänderungen können einfach angepasst werden. Die durchgehenden statischen Systeme und Medienerschliessungen erlauben eine effiziente und wirtschaftliche Bauweise.

Das gewählte Konstruktions- und Materialkonzept ermöglicht eine adäquate Fassadengestaltung mit einem geringen Unterhaltsbedarf. Die rohen Materialien werden sichtbar und effizient eingesetzt. Sie unterstreichen die Selbstverständlichkeit des Neubaus.

Die additive Fassadenstruktur ergibt einen einheitlichen Auftritt mit einem einprägsamen Gesicht. Die vorgefertigten Betonelemente bilden eine robuste und dauerhafte Ummantelung des Gebäudes. Die feingliedrige Fassadenstruktur erzeugt eine sinnliche und haptische Ausstrahlung und gliedert sich in die gebaute Umgebung ein. 

Das Dach wird extensiv begrünt und mit flachen PV-Anlagen ausgestattet. Ausstellmarkisen und Stoffrollos ermöglichen eine sinnvolle aussenliegende Beschattung der Fassaden und garantieren zu jeder Jahreszeit ein behagliches Raumklima.

Wirtschaftlichkeit & Nachhaltigkeit
Sämtliche Nutzungen sind klar strukturiert und wirtschaftlich organisiert. Die kompakten Gebäudevolumen, die effiziente Grundrissorganisation und das durchgehende statische System ermöglichen eine kostengünstige Bauweise und Bewirtschaftung. Dank der vorgefertigten Betonelemente kann für den Neubau eine kurze Bauzeit erreicht werden.
Die flexible Struktur eignet sich bestens für die unterschiedlichen Nutzungen. Allfällige spätere Nutzungsanpassungen lassen sich in Zukunft leicht bewerkstelligen.

Für den Ortbeton und die vorgefertigten Betonelemente werden einheimisches Kies vorgesehen. In der Kiesgrube Ballwil wird der hochwertige Rohstoff Kies in hervorragender Qualität abgebaut. Somit werden für die Betonherstellung kurze Wege benötigt. Durch die langlebige und der Nutzung angemessene Materialisierung werden die Lebenszykluskosten gesenkt.

Mit dem Fernwärmenetz vom Schulareal wird eine effiziente und umweltfreundliche Energieerzeugung gewährleistet. Die geplante Komfortlüftung bei allen Nutzungen garantiert dabei eine optimale Wohnqualität. Der Bestand und der Neubau werden nach dem Minergie-Standard vorgesehen.