ERWEITERUNG SCHULANLAGE
2021
Dagmersellen
Wettbewerb (3. Rundgang)
Auftraggeber: Gemeinde Dagmersellen
Ingenieur: holzprojekt AG
Landschaft: Ernst und Hausherr BSLA
Bilder: PONNIE Images
Ortsbauliche Setzung & Freiraumkonzept
Kontext – Das Chilefeld östlich der Laurentiuskirche entwickelte sich im Lauf der Zeit zum eigentlichen Schulzentrum. Der Turnhallen-/Schulhaus-Neubau fügt sich ortsbaulich in das Raster der übrigen Schulbauten ein, welche sich an der Ausrichtung der Kirche orientieren. Der Neubau als Ersatz der Turnhalle Föhre erhält dank der gewählten Situierung und Ausrichtung einen grosszügigen Pausenplatz, welcher sich durch den Rückbau der Turnhalle Kastanie freiräumlich zu den Sportund Grünflächen öffnet.
Mit dem Ziel eines zusammenhängenden Ganzen bilden bestehende, prägende Umgebungselemente, wie lockere Baumgruppen und inselartige Strukturen, die Basis für die Weiterentwicklung des Areals. Dazu werden Teilbereiche des Bestandes neu interpretiert und aufgewertet (bestehende Bauminseln), sowie diverse Freiraumbezüge geklärt und geschärft (Durch- und Übergangsraum zur Kirche, neuer Übergangsraum zu den Spielwiesen, Hofraum zum Pfarrei-/Gemeindezentrum Arche). Unter Berücksichtigung der Bestandsqualitäten werden Nutzungen entflechtet, die Schulanlage stärker durchgrünt und mit attraktiven, ergänzenden Spiel- und Aufenthaltsangeboten insgesamt aufgewertet.
Erschliessung – Die Arealerschliessung erfolgt wie bisher über die Untere und Obere Kirchfeldstrasse. Die Erschliessung bzw. Befahrbarkeit zwischen dem Neubau und der Kirche ermöglicht grösseren Fahrzeugen (LKWs für Lieferungen, Cars für Veranstaltungen) die kreisförmige Zu- bzw. Wegfahrt «um die Kirche», wodurch riskante Wende- oder Rückfahrmanöver entfallen. Für Fussgänger und Radfahrer bleibt das Schulareal wie bis anhin zugänglich und durchlässig; die Erreichbarkeit der Sportflächen über die Geländestufe wird verbessert und mit rollstuhlgängigen Rampen ergänzt; die grosszügigen Pausenareale dienen auch der platzseitigen Erschliessung aller umliegenden Gebäude.
Die Velos werden in Eingangsnähe in runden «Fahrrad-/Kickbord-Modulen» abgestellt; die Module erlauben eine offene und flexible Nutzung und fügen sich ungezwungen in die Inselwelt ein (4 Stk. à 30 Velos, überdacht / evtl. begrünt; bei Veranstaltungen z.B. als Unterstände nutzbar). 30 offene Stellplätze entlang der Südfassade des Neubaus komplettieren den Bedarf.
Nutzung – Die Platz- und Inselflächen ermöglichen einen vielfältigen Pausen- und Veranstaltungsbetrieb: Bewegungs-, Kletter- und Ballspiele (Spielfeld zwischen Neubau und Schulhaus Birke/Buche realisierbar) wie auch das Tiergehege werden in die Inseln integriert. Diverse Aussensitzplätze, wie auch die Sitzstufen an der Geländekante, bieten Rückzugs- und Ruhebereiche. Eine verstärkte Bepflanzung und Durchgrünung erhöht die Aufenthalts- und Nutzungsqualität in allen Bereichen.
Materialisierung und Baumkonzept – Die Pausen- / Aufenthaltsflächen sind wie bis anhin als Hartbeläge angelegt, gewisse Teilbereiche jedoch zur Entsiegelung und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität als Chaussierungen oder in Kiesrasen geplant. Zu ersetzende Asphaltflächen sollen nach Möglichkeit in Sickerasphalt erstellt werden. Die bei den Spielbereichen erforderlichen Fallschutzbereiche und -beläge werden in sickerfähigen Schüttmaterialien ausgeführt (z.B. Rundkies oder Holzschnitzel). Bestehende Spieleinrichtungen können nach Möglichkeit innerhalb des neuen Konzepts weiterverwendet werden.
Das vorhandene «Baumkonzept» einprägsamer «Baumnamen» für die Gebäude soll für die Freiräume und Pausenbereiche aufgenommen und um drei unterschiedliche Typologien gestärkt werden: eine Baumreihe entlang der Unteren Kirchfeldstrasse bis zum Gemeindezentrum Arche, lockere Baumgruppen zur Stärkung der freiräumlichen Gefüge, sowie Einzelbäume zur Auszeichnung der zentralen Platzmitte (Pausenplatz). Dafür werden folgende Arten vorgeschlagen: Ahorn rotlaubig (Baumreihe); Eichen, Hainbuchen, Kirschen und Linden für die Baumgruppen; Kastanien für die Solitärbäume.
Regenwassermanagement / Ökologie – mittels der neuen Bauminsel zwischen Neubau und Kirche als Retention- und/ oder Versickerungsanlage, können ca. 60m3 Stauvolumen erzeugt werden. Weitere entsiegelte Inseln, wie auch die Chaussierungen, optimieren die Versickerungsquoten für das Gesamtareal. Diese Massnahmen wie auch Baum- und Sträucherbepflanzung werten das Areal bezüglich Gartenkultur und Ökologie nachhaltig auf.
Architektonisches Konzept
Idee - Die Sporthalle wird um ein Geschoss in den Boden gesetzt und mit raumhohen Fachwerken in Querrichtung überspannt. Zwischen diesen raumbildenden Trägern werden die Schulnutzungen über der Halle untergebracht. Diese dreiteilige Struktur zieht sich konsequent durch sämtliche Geschosse hindurch. Durch die konsequente, übereinanderliegende Nutzungsanordung wird ein minimaler Fussabdruck generiert und grosszügige Flächen für den Pausenplatz und die Umgebung geschaffen.
Eingangsgeschoss - Den Auftakt zum Gebäude bildet der überdachte Aussenbereich zum Pausenplatz hin. Über ihn erreicht man die Haupteingangstüren zum Foyer. Das offene Foyer im Erdgeschoss bietet eine übersichtliche Eingangssituation. Dieser Bereich ist den Sporthallen auf der Südostseite vorgelagert und bildet zudem die Verteilzone in die oberen und unteren Geschosse. Über die zentrale Treppe oder den Lift ist ein hindernisfreier Zugang zu allen Bereichen sichergestellt. Auf der nordöstlichen Seite werden die Räume für die Hauswartung, Infrastruktur und Anlieferung untergebracht.
Alle drei Sporthallen können optimal in Querrichtung natürlich belichtet und belüftet werden. Gleichzeitig entsteht ein interessanter Blickbezug aus der Umgebung, dem Pausenplatz und dem Foyer in die Sporthallen.
Hallengeschoss - Im Untergeschoss befinden sich die Zugänge zu den drei Sporthallen, hinter jeder Sporthalle jeweils der dazugehörige Geräteraum. Die Garderoben und Duschen sind jeweils auf der gegenüberliegenden Seite der Verteilzone vorgesehen. Im hinteren Bereich finden Lager- und Technikräume sowie die Zivilschutzanlage ihren Platz.
Der Projektbeitrag schlägt vor, die bestehenden Schutzräume, aufgrund geringen Mehrkosten im Vergleich zu einer Überbauung oder Verstärkung für eine alleinstehende Wiederverwendung, durch eine neue Zivilschutzanlage zu ersetzen. Durch den Neubau kann die Zivilschutzanlage den aktuellen Bedürfnissen angepasst und optimaler in den Bauablauf integriert werden. Die Räume der Zivilschutzanlage sind an das Fluchtwegkonzept angeschlossen und können z.B. für Lagerzwecke verwendet werden.
Schulgeschoss - Die Räume im Obergeschoss für die Schulnutzungen (Lehrer/ Schulleitung, Werken und Tagesstruktur) werden über eine umlaufende Raumschicht erschlossen. Diese Vorzone ermöglicht einen höchstmöglichen Grad an Flexibilität und bietet grossen Spielraum für eine multifunktionale Nutzung auch ausserhalb des Schulbetriebes. Ein durchdachtes System aus Schiebtüren, Faltwänden und Flügeltüren bestärkt die Vielseitigkeit dieser Räume und gewährt eine gute akustische Trennung. Die inneren Wandschichten verfeinern die übergeordnete Trag- und Dachstruktur.
Der Lehrer- und Schulleitungsbereich verfügt über einen Innenhof, durch welchen die Arbeitsplätze und das Sitzungszimmer zusätzlich natürlich belichtet werden. Die Flächen für die Lehrer und die Schulleitung werden als gemeinsam nutzbare Räumlichkeiten konzipiert, welche je nach Bedürfniss in kleinere Einheiten unterteilt werden können. Die Räume für die Tagesstruktur und die Werkräume verfügen jeweils innenliegend über eine Raumschicht mit Nebenräumen. Zum Sportplatz hin befindet sich zudem ein grosszügiger Aussenraum für die Kinder der Tagesstruktur.